Ausbildung 4.0: Trends 2021 und Lessons Learned 2020

Ausbildungstrends 2021

Ausbildung 4.0: Trends 2021 und Lessons Learned 2020

Ausbildungstrends 2021„Jede einschneidende Lebenserfahrung im jungen Alter prägt die Perspektive einer Generation“ resümiert die Leiterin des Instituts für Jugendkultur Wien, Beate Großeggert, ihre Befragung unter 16- bis 29-Jährigen zur Pandemie 2020. Für Auszubildende ist das Jahr 2020 eine harte Prüfung, es durchkreuzt die Perspektive der Generation Z und ihre Zukunftspläne. Berufsinformationstage wurden abgesagt, Ausbildungsplatzsuchende mussten digital zum Vorstellungsgespräch und Auszubildende aus dem zweiten und dritten Ausbildungsjahr bangten im Homeoffice um ihre betriebliche Ausbildung. Für sie herrschte große Ungewissheit: was noch geht, ob und wie eine Abschlussprüfung stattfinden kann und was danach kommt. 2020 gab es keine Azubi-Welcome-Days, keine gemeinsamen Events, keine Firmen-Rallyes, Seminare nur mit Abstands- und Hygieneregeln, ohne Catering, ohne Teambuilding und Funfactor, dafür virtuell, remote, digital auf Distanz. Beliebte Onboarding-Formate wie „Von Azubis für Azubis“ wurden pandemiebedingt abgesagt.

Zwei Lernerfahrungen aus der Ausbildung 2020

Dennoch gibt es einen großen Lichtblick: Die Digitalisierung in der Ausbildung vollzieht sich im Betrieb wie in der Berufsschule rasant, zuvor Unvorstellbares ist plötzlich möglich und Lösungen sind kreativ und innovativ, um „den Laden am Laufen“ zu halten. Zum anderen überrascht der mentale Zustand der Auszubildenden. Technisch wurden schnell Lösungen geschaffen, persönlich fühlen sie sich abgehängt. In aktuellen Befragungen schneidet die Kommunikationsleistung in der Ausbildung bei der jungen Generation schlecht ab, die Betreuung ist ein eindeutiges Handlungsfeld.

Rückblick: Ausbildung 4.0: Das sind die Trends 2020

Betreuung und Sichtbarkeit

Ausbildung 2021 wird neben dem Erlernen eines Fachberufs auch Coaching der nächsten Generation für eine berufliche Zukunft sein. Den Ausbildern wird die Rolle zuteil, ihren Auszubildenden Ängste und Unsicherheit zu nehmen und ihnen stattdessen Halt und Orientierung zu geben. Im Homeoffice oder mit reduzierter, rotierender Mannschaft werden Auszubildende zwar beschäftigt, fühlen sich aber systemirrelevant und überflüssig. Ausbilder können für ihre Auszubildenden im Homeoffice digitale Sichtbarkeit durch Rituale schaffen, beispielsweise in der virtuellen Morgenrunde, ein Blitzlicht in der „Teams Coffee Bar“ oder dem „Zoom Café“. Alle moderieren das tägliche Online-Meeting im Wechsel, auch die Auszubildenden haben einmal „den Hut auf“. Es gibt eine Azubi-Fragestunde, Mini-Projekte etc…

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Feedback und Feedforward

Regelmäßige Feedback-Loops, digital oder in Präsenz, und ein klarer Plan mit Lernzielen und Meilensteinen geben Auszubildenden ein Gefühl von Betreuung und Sicherheit. Wer ein Ziel hat, findet einen Weg! Eine feste Struktur bietet Orientierung, wie es weitergeht. Es gibt Apps und Lernprogramme zur Unterstützung des Lernplans mit wöchentlichen Lernzielen und passenden Lernmethoden, die in einer Online-Status-Runde reflektiert werden. Im ressourcenorientierten Feedforward werden die nächsten Ziele festgelegt und es wird geklärt, was die Auszubildenden brauchen, um sie zu erreichen.

Learning Journeys

Menschen lernen am besten durch das Ausprobieren. Mit dieser Erkenntnis arbeiten Learning Journeys nach der 70:20:10-Formel: 70 Prozent Erfahrung, 20 Prozent Vorbilder, 10 Prozent Weiterbildung. Auf „Safaris“ und mit „Inside Stories“ erkunden Auszubildende Praxisfelder ihres Berufs, häufig im Netzwerk mit anderen Unternehmen, lernen Experten und Fachleute kennen und profitieren im beidseitigen Austausch von deren Erfahrung, um anschließend die neu erworbenen (Er-)Kenntnisse mit Fachliteratur zu untermauern und sie in einem Workshop, einer Präsentation, einer „Insta“-Story oder einem Tutorial vorzustellen.

Reverse Trends

Ein weiterer Ausbildungstrend ist der Perspektivwechsel: Die Generation Z wird gefragt, was sie wie wahrnimmt und anders machen würde. Das ist besonders erfolgreich, wo Veränderungen geplant oder große Unterschiede beispielsweise in Alter und Einstellung vorhanden sind. Die bekanntesten Reverse-Formate: Reverse Pitch, Reverse Mentoring, Reverse Learning Journeys. „Wir arbeiten noch mit Akten, ich muss jeden Tag 90 Kilometer fahren und kann nichts mit nach Hause nehmen“ beschreibt eine Auszubildende im Workshop ihre Sichtweise auf das Unternehmen, „wie in einem Museum“. Jetzt begeben sich die Kollegen auf die Lernreise, um nicht „im Museum“ zu enden und die digitale Transformation voranzubringen. Manche Unternehmen lassen vor jeder Stellenneubesetzung von ihren Auszubildenden ein Szenario erarbeiten, wie man den Arbeitsplatz innovativer gestalten und Prozesse digitalisieren kann, idealerweise mit Bordmitteln. Die Beteilung der Auszubildenden an der Gestaltung neuer Strukturen, das Verstehen-Wollen der Denkweise der nächsten Generation, um daraus Rückschlüsse für innovatives Handeln zu ziehen, ist eine zukünftige Notwendigkeit in Zeiten von Pandemie und Transformation.

Digitale Lernszenarien

Bei Auszubildenden sind Blended-Learning-Formate beliebt, sie wünschen sich noch mehr spielbasiertes Lernen (Gamification) und digitale Lernformen (digitales Berichtsheft, Lernkartei-Software Anki). Präsenzlernen im Unternehmen halten sie für notwendig, wenn es um praktische Fertigkeiten und das Sammeln und Austauschen von Live-Erfahrung geht. Digitale Selbstlernprogramme sind ihnen zu langweilig und Lernen mit Social Media ist zu privat.

Lessons Learned

So „wie früher“ wird es nicht mehr werden, die digitale Transformation in der Ausbildung hat längst Fahrt aufgenommen. Berufsbildung 4.0 bedeutet E-Learning-Konzepte für Berufsschulen zu schaffen und Blended-Learning-Formate für Ausbildungsunternehmen auszubauen. Berufsbildung 4.0 bedeutet auch, innovative Formen der Zusammenarbeit und Solidarität in der Ausbildung zu fördern. Dazu zählen generationenübergreifende Kollaboration und Beteiligung, wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe, eine Feedback- und Lernkultur und Ausbilder in der Rolle als Coach, die den Fachkräften von morgen neben einer guten fachlichen Qualifikation auch Halt, Zuversicht, Selbstvertrauen und Perspektiven für die Zukunft bieten – remote und präsent.

Autorin: Iris Kadenbach, Geschäftsführung, Kadenbach Coaching Hamburg | Hannover

Foto von Anna Shvets von Pexels

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