Haben Azubis heute Probleme mit Autorität?

Zur Erläuterung des Textes: Infografik mit Erwachsenem mit Megafon und Schülern.

Haben Azubis heute Probleme mit Autorität?

„Azubis wollen heute nichts mehr von Hierarchie und Führungsstruktur wissen. Sie haben keinerlei Respekt vor Autorität.“ Diese Aussagen hören wir recht häufig von Ausbildern und Führungskräften unserer Partnerunternehmen. Enthalten sie einen wahren Kern? Vielleicht kommen heutige Azubis wirklich nicht mehr mit Autorität zurecht? Und wenn ja, wie können Ausbilder damit umgehen?

 

Zur Erläuterung des Textes: Infografik mit Erwachsenem mit Megafon und Schülern.
Reaktionsschema von Azubis bei autoritäter Kommunikation? Unwillen.

 

Firmen fragen, das BNW antwortet

Die gute Nachricht: Die viel beschworene Mär von Azubis, die sich nur selbst verwirklichen wollen, mehr auf Freizeit als auf Arbeit aus sind und mit Hierarchien nichts anfangen können, ist genau das: eine Mär. Studien und Umfragen zeigen, dass auch heutige Azubis an einem sicheren Gehalt und anspruchsvollen Aufgaben interessiert sind.

Die nicht ganz so gute Nachricht: Es hat sich etwas verändert in den letzten Jahren. Sicher haben manche Azubis grundlegende Schwierigkeiten mit Autorität, doch diese Auszubildenden gab es immer schon. Neu ist jedoch, dass Anweisungen und Aufgaben stärker hinterfragt werden.

Azubis und junge Mitarbeiter wollen heute nicht mehr nur gesagt bekommen, was sie zu tun haben, sie wollen auch das Warum dahinter und ihren Beitrag zur Arbeit des gesamten Unternehmens verstehen.

Die Erwartungen sind nüchtern betrachtet also durchaus realistisch und gar nicht so abwegig, wie sie manchmal in zugespitzten Erzählungen klingen können.

 

Wie Ausbilder reagieren können

So mancher Ausbilder und so manche Ausbildende wünscht sich möglicherweise, Azubis würden weniger hinterfragen. Das ist verständlich – vor allem dann, wenn im gleichen Jahrgang Azubis mit Autoritäts- oder Verständnisschwierigkeiten dabei sind und der Unterschied zu den anderen die Schwierigkeit allzu offensichtlich werden lässt. Die Anforderung an Ausbilder wächst dann beträchtlich.

Dennoch sollten Fragen kein Grund zum Verzweifeln sein. Die meisten Azubis sind bereits zufrieden, wenn drei Grundsätze umgesetzt werden:

  1. Hintergrundinformationen und Gründe für Aufgaben und Anweisungen werden kommuniziert. Es reicht oft sogar schon, wenn interessierte Azubis die Möglichkeit bekommen, etwas dazu nachzulesen.
  2. Fragen werden ernst genommen und beantwortet. Auch der Hinweis darauf, dass das Thema später kommuniziert wird, kann reichen – wenn es dann auch wirklich behandelt wird.
  3. Autorität speist sich nicht nur aus einer hierarchischen Position sondern auch aus Erfahrung und Fachwissen. Wenn Ausbilder in der Ausbildung zeigen, dass sie kompetent sind, sind viele Azubis aufmerksam dabei.

Diese teilweise neuen Anforderungen können für manche Betriebe eine Veränderung des Umgangs mit Azubis bedeuten. In der Praxis sind die notwendigen Anpassungen jedoch überschaubar und gar nicht so aufwändig. Wegen Autoritäts-aversen Azubis muss also kein Ausbilder graue Haare bekommen.

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