Ausbildung 4.0: Das sind die Trends 2020

Ausbildung 4.0

Ausbildung 4.0: Das sind die Trends 2020

Auszubildende und Nachwuchskräfte sind auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrte Mangelware und werden entsprechend vollmundig umworben. Zum ersten Mal haben wir eine Situation, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war: Es gibt einen Kandidatenmarkt. Um die Generation Z anzusprechen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, haben sich Trends und Neuerungen entwickelt, die das traditionelle Ausbildungssystem radikal verändern. Das bedeutet umgekehrt auch eine starke Anpassungsleistung für all diejenigen Ausbilderinnen und Ausbilder, die in den vergangenen Jahren mit Leidenschaft und Herzblut „ihre“ Auszubildenden nach Tradition und mit Erfahrungswerten betreut und ausgebildet haben.

Entscheidungs- und Orientierungshilfe geben

Schulabsolventen der Generation Z stehen heute unzählige berufliche Möglichkeiten offen, gleichzeitig fehlt der Überblick und die Orientierung. Selbst wenn sie durch hochwertige Beratungsangebote begleitet werden, müssen sie sich für einen Weg entscheiden. Mehr als 75% der Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz erhalten mehr als ein Angebot. Genau hier setzen Trends auf dem Ausbildungsmarkt an: Entscheidungs- und Orientierungshilfen geben und dabei die Bedürfnisse der Generation Z ansprechen.

Bedürfnisse der Generation Z

Die Bedürfnisse der Generation Z sind hinlänglich beschrieben worden: Sie wünschen sich Sicherheit bei größtmöglicher Flexibilität, langfristig gute Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen bei einer klaren Work-Life-Separation. Anerkennung und Wertschätzung sind Ihnen ebenso wichtig wie ein gutes Betriebsklima und eine offene Kommunikation im Umgang miteinander.

Onbording

Der Wechsel von der Schulbank ins Unternehmen fällt schwer. Hat man soeben noch den Tag unter Gleichaltrigen mit ähnlichen Interessen und Wertvorstellungen verbracht, findet man sich nun acht Stunden am Tag unter fremden Menschen wieder, die häufig der Eltern- und Großelterngeneration angehören. Auch wenn es alle gut meinen, die ersten Wochen sind entscheidend für das Ankommen und Wohlfühlen im Berufsleben. Das Onbording geht hier neue Wege und investiert in die neuen Auszubildenden. Nach einem Begrüßungstag mit Frühstück, Geschenken und Kennenlernen werden sie ab der ersten Woche von einem Mentor oder Coach begleitet. Gemeinsam gestalten sie Inhalte und ihren Einsatz in der Ausbildung, jeder kann eigene Ideen einbringen. Es gibt regelmäßige Feedbackgespräche und eine Open-Door-Policy: Ab Tag 1 sind alle Mitarbeitenden in allen Abteilungen für Auszubildende jederzeit für Fragen ansprechbar.

Generationen-Tandems und Reverse-Mentoring

Die Mentoren oder Coaches gehören häufig der älteren Generation an und übernehmen diese Aufgabe freiwillig und zusätzlich zu ihrer Tätigkeit. Sie sind quasi Vermittler zwischen Ausbildenden und Auszubildenden. Diese Übersetzer-Rolle funktioniert auch umgekehrt, es gibt den Trend zum Reverse Mentoring: Auszubildende beraten langjährige Mitarbeitende. Ältere Generationen lernen von jüngeren und lernen so nicht nur die digitale Welt, sondern auch Werte und Lebensmodelle der jungen Generationen sowie die Arbeitswelt aus deren Sicht kennen. Die Generationen kommen sich näher, beidseitiges Verständnis wächst, die Auszubildenden fühlen sich willkommen und anerkannt.

Recruiting Trends

Im Recruiting von Auszubildenden gibt es eine eindeutige Tendenz: Das Bewerbungsschreiben wird immer unbedeutender. Ein Anschreiben ist zeitaufwendig, wird häufig kopiert und gibt keine eindeutige Auskunft über die Verfasser. Ein Fragebogen mit biographisch-kriterienorientierten Fragen kann das Anschreiben deshalb sinnvoll ersetzen. An diesen Fragebogen gelangen die Bewerber idealerweise mit einem Klick, womit wir beim nächsten Trend sind.

One Button Policy

Die One Button Policy war der Trend „Zukunft Personal 2019“: sich bewerben mit nur einem Klick auf der Firmen-Website oder in einer Online-Stellenbörse. Es öffnen sich Bewerberportale oder Apps, man kann aus dem Smartphone den Lebenslauf hochladen und den biographischen Fragebogen beantworten, dann noch die Einwilligung zur Datenverarbeitung geben und fertig ist die Bewerbung. In Handwerksbetrieben mit Nachwuchssorgen können Schülerinnen und Schüler mit einem Klick gleich einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. Den meistens schon in der Schule erstellten Lebenslauf bringt man zum Gespräch mit. Persönliche Einstellungstests vor Ort werden übrigens von der Generation Z bevorzugt, digitale Tests, ob zu Hause am Computer oder auf dem Smartphone, lehnen sie ebenso ab wie Video-Interviews.

Authentizität in der Bildsprache

Nur mit Aufmerksamkeit und auf ihren Kanälen erreicht man die Generation Z. Diese Generation liebt YouTube Videos, ist bei Instagram präsent und verbreitet eine spezielle Bildsprache. Daher haben viele Firmen hochproduzierte Video-Clips gedreht, um junge Nachwuchskräfte zu überzeugen. In best-friends-Attitude skaten junge Hipster durch die Stadt und haben Spaß. Das ist nicht die Bildsprache der Generation Z, sie wollen einen authentischen Clip zum Ausbildungsberuf sehen! Der Arbeitsplatz soll sichtbar sein. Die Auszubildenden stehen dabei im Mittelpunkt und berichten ehrlich und offen von ihren Erfahrungen. Zukünftige Auszubildende sind voller Unsicherheit, die ihnen die kurzen Filme bzw. Stories nehmen sollen, indem sie ihre Fragen beantworten: Was erwartet uns? Wie werden wir aufgenommen? Wie sieht der Arbeitsplatz aus, was machen wir da?

Digitales Berichtsheft

Das digitale Berichtsheft ist im Vormarsch und wird langfristig Standard werden. Auch für die Ausbildenden bringt es viele Vorteile. Sie müssen nicht mehr Handschriften entschlüsseln und mit Flecken kämpfen, es kann nicht verloren gehen, ist jederzeit digital einsehbar und unterstützt das papierlose Büro. Ein praktisches Tool ist das Online-Berichtsheft BLok, eine von Bund und europäischer Union unterstützte Web-Anwendung, die für Auszubildende kostenlos ist.

Sind Sie in Sachen Ausbildung up to date? Oder müssen Sie sich noch auf Trends einlassen? Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion oder schreiben eine E-Mail an redaktion@bnw.de.

Autorin: Iris Kadenbach, Geschäftsführung, Kadenbach Coaching Hamburg | Hannover

Photo by bruce mars from Pexels

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